Schottland und seine Clans || Eine Kurzeinführung

Das Stammessystem der Clans geht auf die keltischen Vorfahren der Schotten zurück. (Clan leitet sich vom keltischen Clann oder Clanna her, was soviel wie Kinder, Abkömmlinge, Familie oder Stamm bedeutet). In der Regel führen die Mitglieder eines Clans ihre Abstammung auf einen gemeinsamen Ahnherren zurück (Mac, Mc oder M' bedeuten soviel wie Sohn von, ebenso wie die Endung ~son), der den Clan gegründet hat und ihm seinen Namen gab (es kommt auch vor, dass Clans den Namen ihres Heimatgebietes tragen). Hier muss ich jedoch betonen: Es ist jedoch keineswegs so, als wäre Schottland nur von Kelten bevölkert. Viele der angesehensten Clans (siehe Clan MacLeod) haben nordische oder, wie das Haus Bruce, normannische Vorfahren.

Im Gegensatz zu anderen keltischen Siedlungsgebieten waren die Schotten zunächst nicht Bestandteil des römischen Imperiums, was bei den Festlandkelten zur Zerschlagung des Stammessystems geführt hatte. Sie blieben, ebenso wie die Waliser, Cornen und Iren, als Rückzugsgebiete der Inselkelten weitgehend frei von den Angeln und Sachsen. Anschließend waren sie im Gegensatz zu ihren Verwandten noch bis 1707 unabhängig von England. Dies führte dazu, dass sich das Clansystem bis ins 18 Jh. weitgehend halten konnte. Zwar gehörte nach gängigem Feudalrecht alles Land den Königen von Schottland, der es den Clanchiefs als Lehen gab, innerhalb des Clans gab es aber weiterhin eine weitgehende Autonomie. Die schottische Rechtsprechung trug diesem System Rechnung: Noch heute darf sich die britische Monarchin zwar als "Queen of the Scots", also "Königin der Schotten", nicht aber als "Queen of Scotland", "Königin von Schottland" fühlen.

Oberhaupt der Gemeinschaft war der Chief. Er war sowohl oberster Kriegsherr als auch Richter. Er garantierte den Mitgliedern des Clans Schutz, die ihrerseits im Falle der recht häufigen Streitigkeiten mit Nachbarclans mit ihm in die Schlacht zogen, ebenso wenn der König im Kriegsfalle die Clanaufgebote bestellte.

Die nächste wichtige Person im Clangefüge war der Wahlerbe. Er hatte die Claninteressen für die Zukunft zu wahren. Im Falle von Nachfolgestreitigkeiten entschied er, wer neuer Chief werden sollte. Dies konnte auch durchaus bedeuten, dass ein fähiger Krieger oder Anführer den Vorzug vor dem direkten Erben erhielt. Der Clan setzte sich aus Blutsverwandten des Clanchiefs als auch Fremden zusammen, die sich unter den Schutz des Clans stellten.

Erreichte ein Clan eine gewisse Größe, wurde er in Zweige eingeteilt, die von Söhnen des Clanchiefs oder anderen wichtigen Personen des Clans geführt wurden. Die Herrschaft des Chiefs über den Gesamtclan berührte dies jedoch nicht. Um den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft zu stärken, wurden z.B. die eigenen Kinder bei Pflegefamilien untergebracht, um das Gefühl der Loyalität gegenüber dem Clan über die familiäre Bindung zu stellen. Natürlich erhob der Clanchief auch Abgaben, schließlich war ein Clan ja kein rein karitativer Verband.
 
 
Übersichtskarte der schottischen Hochland-Clans
(Bitte für eine größere Ansicht anklicken)
 
 Die ständig schwelenden Clanstreitigkeiten, oftmals Jahrhunderte alt, schwächten häufig die königlichen Streitmächte. Es wurde eifersüchtig darauf acht gegeben, dass erhaltene Privilegien des Clans auch gewahrt wurden. So wurde die Kampfkraft und Moral der Truppe bei der ohnehin schon fast aussichtslosen Schlacht von Culloden noch dadurch unterwandert, dass die Stewarts die rechte Flanke der Front zugeteilt bekamen. Dieses Privileg stand jedoch seit der Schlacht am Bannockburn 1314 den MacDonalds zu.

Als Folge der Niederlage von Culloden 1746 wurden alle Zeichen der Zugehörigkeit zu den Hochland-Clans wie das tragen des Kilts und der Tartans sowie das spielen des Dudelsacks untersagt. Viele der beteiligten Clans wurden von ihrem Land vertrieben. Dies bedeutete den Niedergang des überlieferten Systems. Während der Highland-Clearances beschleunigte sich dieser Vorgang noch. Der Einfluß des Feudalsystems wuchs auch im Hochland. Die auf den angestammten Gebieten seßhaften Clanmitglieder und Crofters waren nun in den Augen vieler Clanchiefs nicht mehr Schutzbefohlene, sondern unwirtschaftliche Pächter, die durch Schafe ersetzt werden können. Das System funktionierte nicht mehr, oder doch?

Als die Campbells für dringende Renovierungs- und Restaurierungsarbeiten am Stammsitz des Clans, Inveraray Castle, Geld benötigten, schrieben sie die über die ganze Welt verstreut lebenden Nachfahren der einst vertriebenen an. Binnen kürzester Zeit kamen 12 Mio. Pfund zusammen.